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Traumatherapie mit EMDR in St. Pölten

  • 17. Juni 2023
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Feb.

Wenn das Ereignis vorbei ist – aber der Körper es noch nicht weiß

Manche Erlebnisse lassen sich nicht einfach ablegen. Nicht weil man es nicht will. Nicht weil man nicht „darüber hinwegkommen" möchte. Sondern weil das Nervensystem das Erlebte anders gespeichert hat – fragmentiert, unvollständig, ohne die Möglichkeit, es wirklich einzuordnen. Was bleibt, sind keine klaren Erinnerungen. Es sind Zustände. Bilder, die plötzlich auftauchen. Körperempfindungen ohne erkennbaren Anlass. Das Gefühl, im Jetzt zu sein – und gleichzeitig woanders. Viele sagen: „Ich verstehe, was passiert ist. Aber ich komme nicht raus daraus." Wenn Sie das kennen – dann ist dieser Artikel für Sie.


EMDR Therapie in St. Pölten – Traumatherapeutin Petra Burmetler MSc

Viele Menschen sind unsicher, bevor sie mit EMDR beginnen. Das ist normal. Und es wird in meiner Arbeit berücksichtigt. Doch Schritt für Schritt.


Was EMDR ist – und was es nicht ist

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Die Methode wurde 1987 von Dr. Francine Shapiro entwickelt und ist heute in über 30 randomisierten kontrollierten Studien untersucht. Sie wird von der WHO, der American Psychological Association und dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation als wirksame Behandlung bei Traumafolgestörungen anerkannt.


Was EMDR nicht ist:

  • kein Hypnoseverfahren

  • keine Konfrontationstherapie, bei der Sie das Trauma „nochmal durchleben"

  • kein Verfahren, das Erinnerungen löscht


Was EMDR ist: Ein strukturierter, neurobiologisch fundierter Prozess – der dem Gehirn ermöglicht, das nachzuholen, was in einem überwältigenden Moment nicht möglich war: die vollständige Integration einer Erfahrung.


Warum manche Erinnerungen steckenbleiben

Das Gehirn speichert überwältigende Erlebnisse anders als gewöhnliche Erinnerungen – nicht als kohärente Geschichte, sondern als Aktivierungsmuster: einzelne Bilder, Körperzustände, Emotionen ohne zeitlichen Kontext.

Deshalb kann eine alte Erinnerung sich anfühlen, als wäre sie gerade jetzt. Deshalb löst ein Geräusch, ein Geruch, eine Formulierung etwas aus, das völlig unverhältnismäßig wirkt. Das Nervensystem hat diese Erfahrung nicht abgeschlossen. Es hält sie bereit – als Warnung, als Schutz, als unvollendeten Prozess.


EMDR setzt genau dort an: nicht bei der Geschichte, die Sie erzählen – sondern beim Aktivierungsmuster, das Ihr Nervensystem gespeichert hat.


Wie EMDR funktioniert – neurobiologisch erklärt

Das Kernprinzip ist bilaterale Stimulation: eine rhythmische Aktivierung beider Gehirnhälften, meist durch geführte Augenbewegungen, taktile Reize oder Töne.


Während dieser Stimulation wird die Aufmerksamkeit behutsam auf das belastende Material gelenkt – nicht um es zu analysieren, sondern damit das Gehirn die Verarbeitung neu anstoßen kann.

Was dabei passiert, ist gut untersucht: Bilaterale Stimulation aktiviert ähnliche Prozesse wie Augenbewegungen im REM-Schlaf – dem Schlafstadium, in dem das Gehirn Erfahrungen sortiert und konsolidiert. EMDR macht diesen natürlichen Mechanismus therapeutisch nutzbar.


Eine Alltagsmetapher: Stellen Sie sich vor, eine Wunde ist vernarbt – aber nie wirklich verheilt. Sie tut nicht mehr ständig weh. Aber bei Druck schmerzt sie noch, als wäre sie frisch. EMDR hilft dabei, dass die Wunde wirklich heilt. Die Narbe bleibt. Der Schmerz bei Berührung verschwindet.


Das Ergebnis ist keine gelöschte Erinnerung. Es ist eine integrierte Erinnerung – eine, die ihren Platz in der Vergangenheit findet und nicht länger automatisch aktiviert wird.


Wie der EMDR-Prozess bei mir abläuft

Als Traumatherapeutin in St. Pölten wende ich EMDR nie isoliert an. Es ist Teil eines ganzheitlichen Rahmens, eingebettet in die Integrative Psychotherapie nach Hilarion Petzold. Den größeren Zusammenhang finden Sie in meinem Artikel über ganzheitliche Traumatherapie.


Schritt 1: Stabilisierung

Bevor wir mit der eigentlichen EMDR-Arbeit beginnen, steht immer die Stabilisierung. Sie brauchen ausreichend innere Ressourcen, um das belastende Material berühren zu können – ohne davon überwältigt zu werden.

Traumaarbeit braucht Erfahrung im Halten von Intensität. Zu früh begonnene Konfrontation ist nicht mutig. Sie ist kontraproduktiv.


Schritt 2: Der EMDR-Prozess

Wenn Stabilität vorhanden ist, beginnen wir. Sie bringen das belastende Material kontrolliert ein – wir identifizieren gemeinsam: Bilder, Körperempfindungen, Überzeugungen, Emotionen. Dann beginnt die bilaterale Stimulation.

Was viele Klientinnen beschreiben: Der Prozess fühlt sich weniger dramatisch an als erwartet. Eher wie ein langsames Sortieren – als würde sich etwas, das lange feststeckte, behutsam in Bewegung setzen.


Schritt 3: Integration

Jede Sitzung schließt mit bewusster Integration ab. Was hat sich verändert? Was braucht noch Raum? Traumaarbeit endet nicht mit der Stimulation – sie endet, wenn das Erarbeitete einen Platz gefunden hat.


Was während und nach EMDR passieren kann

Transparenz ist mir wichtig – nicht um Angst zu machen, sondern weil Klarheit das Vertrauen schafft, das Traumaarbeit braucht.

Während einer Sitzung können Emotionen oder Körperempfindungen intensiver werden, bevor sie sich auflösen. Das ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft – es ist oft ein Zeichen, dass Verarbeitung stattfindet. D.h. nach einer Sitzung können Sie sich müde oder innerlich aufgewühlt fühlen. Das Nervensystem arbeitet weiter. Ich bereite Sie darauf vor und gebe Ihnen konkrete Stabilisierungsmöglichkeiten für solche Phasen.

Was viele nach einigen Sitzungen berichten: Die Erinnerung ist noch da – aber sie hat ihre Schärfe verloren. Sie fühlt sich an wie etwas, das passiert ist. Nicht wie etwas, das immer noch passiert. Das ist Integration.


Für wen EMDR-Traumatherapie sinnvoll ist

EMDR wirkt gut, wenn:

  • Belastende Erinnerungen wiederkehrend auftauchen – in Bildern, Körperempfindungen oder Träumen

  • Körperliche Reaktionen ohne erklärbaren Auslöser auftreten

  • Kognitive Einsicht allein nicht ausreicht: Sie verstehen, was passiert ist – aber das Gefühl ist noch da

  • Ausreichende Grundstabilität vorhanden ist


EMDR ist weniger sinnvoll, wenn:

  • Stabilisierung und Selbstregulation noch fehlen

  • Akute Krisen noch nicht ausreichend entlastet sind

  • Der Zugang zu inneren Ressourcen noch sehr gering ist

Das ist kein Ausschluss. Es ist eine Reihenfolge. Manchmal braucht es zuerst mehr Stabilisierungsarbeit. Auch das ist Teil meiner Begleitung.


Woran Sie erkennen, dass EMDR für Sie hilfreich sein könnte

  • Vielleicht gibt es Erinnerungen, Bilder oder Körperempfindungen, die immer wieder auftauchen – ohne erkennbaren Grund.

  • Vielleicht verstehen Sie rational, was passiert ist – aber das Gefühl davon ist noch da. Präsent. Unverarbeitet.

  • Vielleicht reagieren Sie in bestimmten Situationen auf eine Weise, die Sie selbst überrascht – und die sich nicht durch Nachdenken allein verändert.

Wenn Sie beim Lesen möglicherweise innerlich genickt haben – vielleicht bei einem Satz, vielleicht bei mehreren – dann kann ein erstes Gespräch Klarheit schaffen. Veränderung beginnt selten mit Gewissheit. Meistens beginnt sie mit einem leisen: „So kann es nicht bleiben."


EMDR in St. Pölten und online in Österreich – wie es bei mir funktioniert

Ich begleite Klientinnen/Patientinnen und Klienten/Patienten in meiner Praxis in St. Pölten – sowie online für Menschen in ganz Österreich - und auch gerne weltweit. Manche kommen nach Jahren in Gesprächstherapie und fragen sich, warum sich bestimmte Muster nicht verändern. Manche suchen zum ersten Mal Unterstützung. Manche wissen bereits, dass EMDR das ist, was sie brauchen. Manche sind unsicher und wollen erst verstehen, was sie erwartet. Alle Ausgangspunkte sind willkommen.


Online-EMDR-Sitzungen in Österreich sind mit denselben Stabilisierungselementen und demselben strukturierten Vorgehen möglich wie in der Praxis. Rahmen, Führung und therapeutische Beziehung funktionieren auch auf Distanz – wenn sie klar gestaltet sind.



Was Sie erwarten dürfen – und was nicht

Traumatherapie mit EMDR ist kein schneller Reparaturprozess. Sie ist ein Prozess zur Integration – mit eigener Logik und eigenem Tempo. Was Forschung und klinische Erfahrung zeigen: Bei fokussierten Traumata kann EMDR vergleichsweise schnell wirksam sein – oft in wenigen bis einigen Dutzend Sitzungen. Bei komplexeren Traumageschichten braucht es mehr Zeit – für Stabilisierung, Verarbeitung und Integration. Nach den ersten Stunden entsteht gemeinsam ein realistisches Bild.

Was Sie nicht erwarten müssen:

  • dass Sie alles verstehen müssen, bevor Sie anfangen.

  • dass Sie die Erinnerung vollständig benennen können.

  • dass Sie bereits wissen müssen, ob EMDR das Richtige für Sie ist.

Oft reicht es, einfach anzufangen.


Eine Einladung

Wenn beim Lesen etwas in Ihnen angesprochen wurde – dann dürfen Sie diesem Impuls gerne folgen. In einem ersten Gespräch per WhatsApp klären wir gemeinsam: Was liegt Ihnen am Herzen? Was bringen Sie mit? Welche Rolle könnte EMDR in Ihrem Prozess spielen? Und fühlt sich dieser Weg für Sie stimmig an? Mehr braucht es am Anfang nicht.


In diesem Sinne - herzlichst



... und hier geht's zur Lebensfreude-Homepage!



Häufige Fragen zu EMDR in St. Pölten und online

Wie lange dauert EMDR-Traumatherapie? 

Bei fokussierten Einzeltraumata kann EMDR in wenigen Sitzungen deutliche Wirkung zeigen. Bei komplexeren Traumageschichten braucht es mehr Zeit. Nach den ersten Sitzungen entsteht gemeinsam ein realistisches Bild davon, was sinnvoll ist.


Ist EMDR auch als Online-Sitzung in Österreich möglich?

Ja. Online-EMDR-Traumatherapie in Österreich ist unter klar strukturierten Rahmenbedingungen möglich – mit denselben Methoden wie in der Praxis in St. Pölten.


Brauche ich eine Diagnose für EMDR? 

Nein. Was zählt, ist Ihr Erleben – und die Frage, ob EMDR als Teil Ihres therapeutischen Weges sinnvoll ist.


Übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten? 

Als Psychotherapeutin in freier Praxis arbeite ich auf Selbstzahlerbasis. In Österreich ist ein Kostenzuschuss über den Hauptverband der Sozialversicherungsträger möglich. Details klären wir gerne im Erstgespräch.


Was unterscheidet EMDR von Gesprächstherapie? 

EMDR arbeitet nicht primär über Sprache und Analyse, sondern über neurobiologische Verarbeitungsmechanismen. Es erreicht Ebenen, die durch Gesprächstherapie allein oft nicht zugänglich sind – ohne dass Sie das Erlebte verbal vollständig rekonstruieren müssen. Viele erleben das als entlastend: endlich etwas, das nicht nur verstehbar macht – sondern verändert.

Über die Autorin

DSA Petra Burmetler, MSc ist eingetragene Psychotherapeutin in Österreich mit Schwerpunkt auf Online-Therapie, Stress- und Traumafolgestörungen, Burnout-Prävention und Beziehungsthemen. Sie arbeitet evidenzbasiert, integrativ und körperorientiert in ihrer Privatpraxis "Petra Lebensfreude" in St. Pölten und online.


Qualifikationen:

  • Diplomierte Sozialarbeiterin (DSA)

  • Master of Science (MSc) in Psychotherapie

  • Eingetragene Psychotherapeutin (Integrative Therapie)

  • Systemische Aufstellerin (Familienaufstellungen & Organisationsaufstellungen)

  • Supervisorin und Coach


Über die Praxis:

Die Privatpraxis 'Petra Lebensfreude' bietet Psychotherapie, Coaching, Supervision und systemische Aufstellungen – sowohl vor Ort in St. Pölten als auch online.

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