Klar und deutlich Grenzen setzen
- Petra Burmetler
- 18. Okt. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Dez. 2025
"Klar und deutlich Grenzen zu setzen ist keine Selbstverständlichkeit, aber im täglichen Miteinander wahrscheinlich eine der wertvollsten Fähigkeiten, die wir entwickeln können." Wir sagen Ja, obwohl wir Nein meinen. Wir übernehmen Aufgaben, die uns überfordern. Wir dulden Verhaltensweisen, die uns schaden. Nicht aus böser Absicht – sondern weil wir oft nicht wissen, wo unsere Grenzen überhaupt verlaufen.

Grenzen zu setzen ist kein Egoismus. Es ist Selbstverantwortung. Wo keine Grenze ist, entsteht nicht Nähe – sondern Überforderung, Groll und emotionale Erschöpfung.
Die Geschichte vom demolierten Zaun
Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Garten angelegt. Zaun, Blumenbeete, eine gepflegte Terrasse. Sie sitzen drinnen, genießen die Ruhe – und plötzlich fährt jemand in Ihren Zaun. Steigt aus. Läuft über den Rasen, durch die Beete, stapft mit Schuhen durch Ihr Wohnzimmer und legt sich auf Ihre Couch. Die Frage am Ende: „Wer stellt denn hier einen Zaun auf?"
Genau so fühlt es sich an, wenn persönliche Grenzen wiederholt überschritten werden.
Fragen zur Selbstreflexion:
Wo wurden hier Grenzen überschritten?
Wo verlaufen Ihre persönlichen Grenzen?
Wie reagieren Sie, wenn sie überschritten werden?
Wie würden Sie gerne reagieren?
Was Grenzen psychologisch bedeuten
Persönliche Grenzen definieren, wo Sie aufhören und andere anfangen. Sie schützen körperliche und emotionale Unversehrtheit. Sie ermöglichen authentische Beziehungen.
Warum fällt Grenzen setzen so schwer?
„Grenzen setzen! – Ich soll endlich Grenzen setzen!" In der Praxis zeigt sich: Viele wissen nicht, wo ihre Grenzen überhaupt liegen.
Die Schwierigkeit hat Wurzeln:
Erlernte Muster – Wer gelernt hat, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen, spürt die eigene Grenze kaum noch.
Angst vor Ablehnung – Das bewusste NEIN aktiviert die Angst, nicht mehr gemocht zu werden. Zugehörigkeit bedeutete früher Überleben.
Unklare Selbstwahrnehmung – Wer die eigenen Bedürfnisse nicht kennt, kann sie nicht vermitteln.
Innere Antreiber – „Ich muss es allen recht machen", „Ich darf nicht egoistisch sein" – diese Glaubenssätze sabotieren gesunde Grenzen.
Wo Grenzen im Alltag fehlen – und was das bedeutet
Klare Grenzen schotten nicht ab. Sie ermöglichen erst echte Nähe. Doch in welchen Lebensbereichen zeigen sich fehlende Grenzen besonders deutlich?
In Partnerschaft und Familie
In Beziehungen: Die Sehnsucht nach Verschmelzung ist natürlich. Doch ohne emotionale Grenze entsteht Abhängigkeit. Sie müssen nicht jede Stimmung Ihres Partners übernehmen. Sie haben das Recht, Nein zu körperlicher Nähe zu sagen. Auch in Partnerschaften braucht es Freiräume.
In Familien: Jahrzehntelange Muster wirken hier am stärksten. Eltern mischen sich ungefragt ein. Geschwister respektieren keine Privatsphäre. Emotionale Erpressung: „Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann..." In der Familienaufstellung zeigen sich oft transgenerationale Grenzverletzungen – Muster, die unbewusst weitergegeben werden.
Im Beruf
Ständige Erreichbarkeit. E-Mails nach Feierabend. Anrufe im Urlaub. Neue Aufgaben trotz voller Auslastung. Das Setzen beruflicher Grenzen ist keine Schwäche – es ist professionelle Selbstführung und wirksamer Schutz gegen Burnout.
In der digitalen Welt
Digitale Grenzlosigkeit verwischt natürliche Grenzen: Ständige Erreichbarkeit, Social-Media-Druck, Informationsüberflutung. Nicht jede App braucht sofortigen Zugriff auf Ihre Aufmerksamkeit. Mehr dazu im Artikel über digitale Erschöpfung.
Gegenüber sich selbst
Die härtesten Grenzverletzungen erleben wir durch uns selbst. „Sei perfekt", „Streng dich an", „Mach es allen recht" – innere Antreiber treiben uns über gesunde Grenzen hinaus. Perfektionismus, Selbstvernachlässigung, negative Selbstgespräche. Das Wonderwoman-Syndrom beschreibt, wie internalisierte Ansprüche zu chronischer Überforderung führen.
Was Grenzen setzen nicht bedeutet
Grenzen sind keine Mauern. Sie sind kein Rückzug. Sie bedeuten nicht:
Härte oder Kälte
Abwertung anderer
Egoismus
Beziehungsabbruch
Grenzen schützen Beziehung und Person zugleich. Wer seine Grenzen kennt und achtet, kann sich tatsächlich einlassen – ohne sich zu verlieren.
Wie Grenzen entstehen
Grenzen entstehen nicht durch Einsicht allein. Sie entstehen dort, wo eigene Muster sichtbar werden – meist im Kontakt mit einem Gegenüber.
In der therapeutischen Arbeit geht es nicht darum, Grenzen „zu lernen" wie eine Technik. Es geht darum zu erkennen: Wo und warum übergehe ich mich selbst?
Der Prozess umfasst:
Selbsterkundung – Wo liegen meine Grenzen überhaupt? Durch Selbstreflexion, Achtsamkeit und therapeutische Gespräche werden individuelle Grenzen sichtbar.
Ursachenforschung – Welche Familienmuster haben mich geprägt? Welche Glaubenssätze sabotieren mein Nein?
Emotionsarbeit – Grenzen setzen löst Angst, Schuld, Scham aus. Diese Gefühle brauchen Raum, damit sie nicht mehr blockieren.
Kommunikation – Wie sage ich klar und respektvoll Nein – ohne Rechtfertigung?
Selbstwert – Ein stabiles Selbstwertgefühl ist die Basis. Wer spürt, dass die eigenen Bedürfnisse wichtig sind, kann sie auch vertreten.
Durchsetzung – Nicht alle akzeptieren neue Grenzen sofort. Wie gehe ich mit Widerstand, Manipulation oder emotionaler Erpressung um?
Dieser Prozess ist individuell. Er lässt sich nicht in vorab definierte Schritte fassen.
Grenzen und Selbstfürsorge
Wer gesunde Grenzen setzt, praktiziert Selbstfürsorge. Grenzen schützen Ressourcen – Zeit, Energie, emotionale Kapazität. Sie ermöglichen, diese für das einzusetzen, was nährt und stärkt.
Selbstfürsorge ist keine Selbstbezogenheit. Sie ist Verantwortung für das eigene Wohlbefinden. Nur wer gut für sich sorgt, kann auch für andere da sein.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Menschen mit klaren persönlichen Grenzen haben ein niedrigeres Risiko für Depression, Angststörungen und Burnout. Sie berichten von höherer Lebenszufriedenheit und stärkerer Resilienz.
Die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, ist verknüpft mit Selbstwirksamkeit, emotionaler Intelligenz und dem Gefühl, das eigene Leben verstehen und handhaben zu können.
In meiner psychotherapeutischen Praxis und besonders auch im Online-Setting integriere ich Ansätze aus Integrativer Therapie, systemischer Therapie und körperorientierten Verfahren für einen ganzheitlichen Zugang zum Thema Grenzen.
Wenn Sie spüren, dass das Thema Sie betrifft
Grenzen lassen sich nicht vorab in Module oder Sitzungen fassen. Sie entstehen im gemeinsamen Arbeiten – durch Kontakt, Reflexion und das Sichtbarmachen dessen, was bisher unbewusst wirkt.
Wenn Sie merken, dass Sie sich wiederholt übergehen, dass Sie Ja sagen, obwohl Sie Nein meinen, oder dass Ihre Lebensqualität darunter leidet – dann kann eine psychotherapeutische Begleitung oder ein Coaching sinnvoll sein.
Die Arbeit ist individuell. Sie richtet sich nach Ihrer Geschichte, Ihren Mustern, Ihrem Tempo.
Kontakt: Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben, können Sie gerne Kontakt aufnehmen, um zu klären, ob eine gemeinsame Arbeit sinnvoll ist.
Fazit: Grenzen setzen ist ein Akt der Selbstliebe
Klar und deutlich Grenzen zu setzen ist keine Selbstverständlichkeit, aber eine der wertvollsten Fähigkeiten, die wir entwickeln können. Es ist ein Akt der Selbstachtung, der Selbstfürsorge und letztendlich der Liebe – zu uns selbst und zu anderen.
Ihre Grenzen sind Ihr Zaun, Ihr Schutzraum, Ihr Reich. Sie haben das Recht und die Verantwortung, diesen Raum zu definieren und zu schützen. Niemand hat das Recht, ungefragt in Ihr Leben zu platzen und Ihre Blumenbeete zu zertrampeln.
In meiner psychotherapeutischen Arbeit Vorort sowie im Online-Setting begleite ich Sie dabei, Ihren individuellen Zaun zu errichten – stabil genug für Schutz, flexibel genug für echte Verbindung. Gemeinsam finden wir heraus, wo Ihre Grenzen verlaufen und wie Sie diese klar, respektvoll und selbstbewusst kommunizieren können.
Der Weg zu klaren Grenzen ist ein Weg zu mehr Lebensfreude, Selbstbestimmung und Authentizität.
Ich freue mich auf Sie!
Herzlichst
Ihre „Petra Lebensfreude“
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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Grenzen setzen
Ist Grenzen setzen nicht egoistisch?
Nein. Gesunde Grenzen sind die Voraussetzung für respektvolle Beziehungen. Wer seine Grenzen kennt und kommuniziert, vermeidet Groll und emotionale Erschöpfung. Mehr dazu: Selbstfürsorge als Weg zu seelischem Gleichgewicht.
Was mache ich, wenn andere meine Grenzen nicht respektieren?
Das ist eine der größten Herausforderungen. Es braucht klare Wiederholung, manchmal Konsequenzen, manchmal die Neubewertung der Beziehung. In der psychologischen Beratung entwickeln wir konkrete Strategien dafür.
Kann ich Grenzen setzen lernen, auch wenn ich es nie gelernt habe?
Ja. Die Fähigkeit ist erlernbar. Viele Menschen entdecken zum ersten Mal, wo ihre Grenzen liegen und wie sie diese schützen können. Es ist nie zu spät.
Werden meine Beziehungen leiden, wenn ich Grenzen setze?
Kurzfristig kann es zu Irritationen kommen. Langfristig werden Beziehungen gesünder und authentischer. Beziehungen, die nur funktionieren, wenn Sie sich selbst aufgeben, sind keine gesunden Beziehungen. Mehr: Authentizität in Rollen.
Ist das auch bei Burnout oder Depression sinnvoll?
Ja. Fehlende Grenzen sind ein Hauptrisikofaktor für Burnout und depressive Entwicklungen. Bei akuten psychischen Krisen empfehle ich eine umfassendere Psychotherapie, die das Grenzthema einschließt.
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Autorin:
Spezialisiert auf Online-Therapie, Frauen in Mehrfachbelastung, Stressbewältigung, Burnout-Prävention, systemische Prozessbegleitung, Partnerschafts- und Beziehungsthemen, Traumatherapie, Ängste und Depressionen














































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